Asli Bayram, Schauspielerin und ehemalige Miss Germany, posiert am Dienstag (26.01.10) in Frankfurt am Main mit ihrer Biografie „Grenzgaengerin – Leben zwischen den Welten“. Ein Jahr lang hat Asli Bayram ihre Geschichte aufgeschrieben, jeden Tag hat sie daran gearbeitet. Das Buch heisst „Grenzgaengerin – Leben zwischen den Welten“ – und auch in ihrem Alltag pendelt die 28-jaehrige Schauspielerin, die es als erste Deutsch-Tuerkin zur „Miss Germany“ geschafft hat, zwischen den Laendern, lebt mal bei ihrer Familie in Frankfurt am Main, mal in ihrer Wohnung in Wien. (zu ddp-Text) Foto: Thomas Lohnes/ddp

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Ex-“Miss Germany” wirbt für Toleranz

Schauspielerin Asli Bayram schreibt in Biografie über ihre Ideale

Darmstadt (ddp-hes). Ihr Leben beschreibt sie auf 175 Seiten. Ein Jahr lang hat Asli Bayram ihre Geschichte aufgeschrieben, jeden Tag hat sie daran gearbeitet. Das Buch heißt “Grenzgängerin – Leben zwischen den Welten” – und auch in ihrem Alltag pendelt die 28-jährige Schauspielerin, die es als erste Deutsch-Türkin zur “Miss Germany” geschafft hat, zwischen den Ländern, lebt mal bei ihrer Familie in Frankfurt am Main, mal in ihrer Wohnung in Wien. Es ist das Buch einer jungen Frau, die als Kind verkraften musste, wie ihr Vater von einem Neonazi ermordet wurde und die dank ihrer Erfolge zu einer Art Symbolfigur für junge Türken in Deutschland geworden ist.

Eigentlich könnte sie sich eine Auszeit gönnen, doch Bayram hat bereits das nächste Projekt im Blick: zwei Gastrollen an einem Theater in Bosnien.

Bayrams Eltern stammen aus Ankara, sie selbst ist in Darmstadt geboren. Ihre Kindheit wurde von einem traumatischen Erlebnis überschattet: Bayrams Vater wurde 1994 von einem rechtsradikalen Nachbarn an der eigenen Haustür mit mehreren Schüssen getötet, die damals 13 Jahre alte Asli wurde am Arm angeschossen. Der Täter wurde zu neun Jahren Haft verurteilt und später vorzeitig entlassen. Sprechen will Bayram über das Geschehene nicht.

Nach dem Vorfall zog die Familie nach Frankfurt. Ihre Kindheit in Deutschland sei oft nicht einfach gewesen, berichtet Bayram. “In der Schule habe ich als Ausländerkind immer das Doppelte leisten müssen”, sagt sie und verschränkt die Arme. “Aber man muss versuchen, da durchzukommen. Wenn man es nicht tut, dann bleibt man eine Marionette.” Und eine Marionette, das wollte Bayram auf keinen Fall sein. Heute studiert sie Jura, genau wie ihre vier Geschwister. “In unserer Familie gab es schon immer einen Sinn für Gleichberechtigung”, sagt sie.

2005 nahm Bayram an der Wahl zur “Miss Germany” teil – und gewann, als erste Deutsch-Türkin. Anfangs hatten ihr alle gesagt, sie habe keine Chance. “Mir war es wichtig, ein Tor aufzumachen”, sagt Bayram. Anschließend nahm sie Schauspielunterricht in Istanbul, Los Angeles und Wien. Ihr bislang erfolgreichstes Filmprojekt, “Shortcut to Hollywood”, wurde 2009 auf der Berlinale vorgestellt.

Ihr Theaterdebüt gab sie in Luxemburg mit der Solorolle in “Das Tagebuch der Anne Frank”. Eine Deutsch-Türkin, die Anne Frank spielt? Das erregte Aufsehen. “Für mich war es selbstverständlich, dass ich diese Rolle spiele”, sagt Bayram. “Aber für viele war es das nicht.” 2008 tourte sie mit dem Stück durch Deutschland, später folgten Auftritte unter anderem in Kanada und den USA.

Bayrams Manager Robert Hofferer sagt, die Künstlerin wisse genau, wer sie sei und was sie erreichen wolle: “Was sie auszeichnet, das ist unglaubliche Disziplin, Arbeitseifer und ein permanentes Sich-verbessern-wollen.” Die Schauspielerin entscheide immer sehr bewusst, an welchen Projekten sie sich beteilige.

Das Gütersloher Verlagshaus wurde auf die junge Frau aufmerksam und fragte an, ob sie ein Buch über ihr Leben schreiben wolle. “Wir fanden ihre Biografie sehr spannend”, sagt Lektorin Renate Hofmann. “Vor allem wegen des Bruchs durch den Tod ihres Vaters, aber auch weil Bayrams Leben das Leben vieler junger Deutsch-Türken widerspiegelt.”

Bayram sagt, ihr Buch sei keine typische Biografie, sondern für sie auch eine Möglichkeit, über ihre Ideale wie Toleranz, Liebe, Hoffnung und Respekt zu schreiben. “Ich finde, mit Respekt fängt alles an”, sagt sie. “Und ich finde, Dialog ist sehr wichtig. Denn wenn die Menschen nicht miteinander reden, können sie sich auch nicht verstehen.” Indem sie über ihr Leben schreibe, wolle sie außerdem andere ermutigen, ihre Ziele zu verfolgen – selbst wenn dies nicht immer einfach sei.

Ob sie anders sei als andere? “Ich denke nicht”, sagt sie. “Ich denke aber auch, dass andere sich viele Dinge nicht so sehr bewusst machen.” Deswegen wolle sie selbst aktiv werden, suche ständig nach neuen Herausforderungen. “Man kann sein Leben beeinflussen, man kann nicht einfach warten, bis alles gut wird. Wenn man nichts ändern will, ändert sich auch nichts.”

(ddp)