„Tiefgang“, Bericht in der Frankfurter Neuen PresseZum Original Artikel:

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Frankfurt. Die Frankfurter kennen ihr Gesicht, weil es ein anderes zum Leben erweckte. Das von Anne Frank. In der Inszenierung des Tagebuchs verkörperte Asli Bayram das jüdische Mädchen, nicht nur in dessen Geburtsstadt, auch in Luxemburg, Prag, Toronto und Los Angeles. Nach Frankfurt zieht es die deutsch-türkische Schauspielerin aber immer zurück. Hier fühlt sie sich zu Hause. In Bockenheim ging sie zur Max-Beckmann-Schule, studierte später an der Uni Jura, hier leben heute noch ihre Mutter, ihre Geschwister.

Jetzt hat sie ihr erstes Buch im Gepäck, ihre Biografie, mit gerade mal 28 Jahren. Doch im Gegensatz zu den Daniel Küblböcks dieser Welt hat Asli Bayram was zu erzählen. Nicht umsonst lautet der Titel «Grenzgängerin». Seit sie denken kann, bewegt sie sich zwischen verschiedensten Welten, der deutschen, der türkischen, der des Showbiz, der, in der nur die Schönheit zählt, aber auch einer des Hasses.

Geboren wurde sie in Darmstadt, wo sie behütet mit drei Schwestern und einem Bruder lebte, bis sie zwölf Jahre alt war und ihr Vater dort von einem Neonazi auf offener Straße erschossen, sie selbst dabei verletzt wurde. «Alles, was ich dazu zu sagen habe, steht im Buch», betont sie und schreibt dort von Diskriminierung, fehlender Gerechtigkeit, einem Land, das sie liebt und das dennoch den Täter zum Opfer machte. «Man muss trotzdem an seine Ziele glauben und positiv in die Welt schauen», sagt sie heute.

Die Familie zog nach Frankfurt. Hier wuchs Asli Bayram weiter auf und träumte davon, Schauspielerin zu werden. Aus Neugierde bewarb sie sich bei der Miss-Wahl und gewann. 2005 wurde sie die erste türkischstämmige Miss Deutschland überhaupt, fand sich plötzlich auf den Titelblättern türkischer Zeitungen wieder.

Die erste Filmrolle lehnte sie dennoch ab – wegen einer Nacktszene. Doch auch das konnte die junge, auf den ersten Blick zurückhaltende Frau nicht aufhalten. Mittlerweile drehte sie fünf Kinofilme, in der Türkei, in New York, Bosnien, Österreich, spielte unter anderem mit Patrick Swayze. Das Drama «Amok», das sie an der Seite von Horst Buchholz’ Sohn Christopher, Sophie Rois und einigen türkischen Kollegen gerade abgedreht hat, soll im Frühjahr auf der Berlinale uraufgeführt werden.

«Ich habe Trainer gehabt, Castings gemacht, viel gearbeitet, um mir diesen Traum zu erfüllen», sagt sie. Im nächsten Jahr steht ein Theaterprojekt in Sarajewo an, auf Bosnisch. «Oft sehen die Dinge erst unmöglich aus, aber dann werden sie doch möglich.» Das ist auch die Botschaft, die sie mit ihrem Buch vermitteln möchte. «Es muss ja einen Sinn haben, das Buch zu lesen. Man darf den Menschen schließlich nicht die Zeit stehlen.»

Asli Bayram