Ihr Vater wure vor ihren Augen von einem Neonazi erschossen. Sie war die erste türkischstämmige Miss Germany und im vergangenen Jahr spielte sie die Jüdin Anne Frank in Los Angeles. Jetzt hat Asli Bayram, die „Grenzgängerin“ zwischen den Kulturen, ein Buch geschrieben.

Von Frankziska Trost

Sinnlos, das ist das Wort, das es nicht geben darf in Asli Bayrams Wortschatz. Mit allem, was sie tut, will sie ihrem Leben und dem ihrer Mitmenschen einen Sinn geben. Als Schauspielerin sucht sie ihre Rollen nicht nach dem Glamourfaktor aus, sie sollen etwas bedeuten. So wie Anne Frank, die sie, die Muslimin aus Deutschland, in Los Angeles mimte. Asli Bayram weiß, wie schnell ein Leben sinnlos vorbei sein kann. Sie ist gerade einmal 12 Jahre alt, als sie eines Tages die Wohnungstür öffnet und in eine Pistolenmündung blickt. Ihr Vater, der ihr zu Hilfe eilt, wird

Asli Bayram hat sich vom Schicksal nicht unterkriegen lassen

Von dem Neonazi erschossen, Asli am Arm verletzt. Nicht nur die Narbe am Arm bleibt. Der Mörder wird nur wegen Totschlag verurteilt und frühzeitig aus der Haft entlassen. Asli beginnt, wie ihre drei Schwestern, Jus zu Studieren – auf der Suche nach Gerechtigkeit.

Mit 23 Jahren wird sie zur Miss Germany gekürt. „Ich habe mich immer gewundert, warum nie Deutsche mit türkischer Herkunft bei der Miss-Wahl teilgenommen haben, schließlich gibt es ja doch sehr viele.“ Asli wird die erste, weil „ich jede Herausforderung annehme und nichts unmöglich ist“. Als Deutschlands Schönste lernt sie das Showbusiness kennen. „Damals habe ich entschieden, Schauspielerin zu werden und das Jurastudium abzubrechen“, erzählt sie. „Mir ist klar geworden, dass man auch als Schauspielerin etwas für Toleranz

Grenzenlos: „Ich fühle mich auf der ganzen Welt zuhause.“

Und Gerechtigkeit bewegen kann.“ Und so lehnt sie die für viele so verlockenden Angebote als Moderatoin für Casting-Shows und Ähnliches ab. „Ich achte extrem darauf,

was ich annehme. Ich will den Menschen etwas geben dafür, das ssie sich die Zeit nehmen, mich zu sehen.“

Auch mit ihrem Buch „Grenzgängerin“ will sie den Menschen etwas geben – sie an ihren Erfahrungen als Frau zwischen den Kulturen teilhaben lassen. „

Es ist keine Biografie. Ich bin erst 28, da gibt es noch keinen Grund, eine Bio zu schreiben”. erklärt sie, „Ich will vor allem positive Energie vermitteln.“ Von Respekt ist oft die Rede in ihren Zeilen, denn immer noch ist sie in ihrer Heimat mit Fremdenhass konfrontiert. Leider spürt man das oft.” Sie selbst setzt sich keine Grenzen. „Ich fühle mich auf der ganzen

Welt zuhause. Ich kann überall leben, wo Familie und Freunde sind.’“ Und so pendelt sie zwischen Berlin, London, New York – und seit kurzem auch Wien hin und her. „Wien gibt mir Ruhe. Und natürlich ist es eines meiner Ziele. einmal am Burgtheater

zu spielen.” Ihre Eltern haben ihr beigebracht, immer an ihre Ziele zu glauben – und meistens hat Asli sie bis jetzt erreicht. Ganz vorsichtig nähert sich Asli in ihrem Buch auch ihren Narben, er zählt vom Vater und dem Tag, der ihr Leben veränderte, der Tag, über den sie. ist klar geworden, sie sonst nicht reden will. „Es war wichtig, es einmal niedergeschrieben zu haben. Ich werde immer wieder danach gefragt, aber darüber zu reden macht doch einfach keinen Sinn …“

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