Schauspielerin will Vorbild sein : Wiesbadener Kurier

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04.05.2010 – WIESBADEN

Von Christoph Risch

LANDESPRÄVENTIONSRAT Neue Botschafterin / Asli Bayrams Vater wurde von Rechtsradikalem getötet

Sie hat nach dem Abitur eine Schauspielausbildung in Los Angeles und Wien absolviert, sie war 2005 Miss Deutschland und hat seitdem in diversen Spielfilme mitgewirkt, sie stand schon auf der Theaterbühne, hat ein Buch veröffentlicht und bekleidet seit gestern ein ganz besonderes Ehrenamt: Asli Bayram ist neben dem Frankfurter Bundesligaprofi Ioannis Amanatidis Botschafterin des Landespräventionsrates.

Praktisch bedeutet das, dass die Deutsche türkischer Abstammung in Vereine, Schulen und zu caritativen Veranstaltungen geht, um dort für Toleranz, Gewaltlosigkeit und Respekt vor anderen Menschen zu werben. Sie hat in dieser Aufgabe schon einige Erfahrungen sammeln können: Asli Bayram ist Jubiläumspatin an der Wiesbadener Wilhelm-Heinrich-von Riehl Schule.

Dass die 29-Jährige jetzt ein weiteres Ehrenamt übernahm, hat auch mit einem tragischen Ereignis in ihrer Jugend zu tun. Als Zwölfjährige musste sie den tödlichen Übergriff eines Rechtsradikalen auf ihren Vater an der Wohnungstür der Familie in Darmstadt miterleben. Für Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), der die neue Botschafterin vorstellte, steht fest, dass Gewalt aus welchen Motiven auch immer kein Mittel der Auseinandersetzung sein dürfe. Mit Blick auf Bayram sagte er: “Wer könnte diese Überzeugung besser verkörpern als Sie, die Sie im engsten Familienkreis ein Opfer von Gewalt zu beklagen haben.”

Für Gewaltfreiheit und gegen Kriminalität – Asli Bayram hält die Anstrengungen, diese Ziele zu erreichen, für selbstverständlich: “Jeder kann jeden Tag und überall dafür eintreten.” Dass sie es jetzt als Botschafterin des Landespräventionsrats tue, sei eine sinnvolle Aufgabe. Von ihren Eltern habe sie gelernt, dass man Menschen in Not helfen müsse und nicht tatenlos zusehen dürfe, wenn Gewalt ausgeübt werde. Die erste Miss Deutschland mit türkischer Abstammung bezieht das auch auf den religiösen Bereich.

Aufruf zur Toleranz

Sie, die Muslimin, spielte auf der Theaterbühne das durch sein Tagebuch bekannt gewordene, 1945 im KZ ermordete jüdische Mädchen Anne Frank. “Menschenhass ist absolut falsch”, sagt Asli Bayram, und fügt hinzu: “Rassismus vergiftet die Gedanken.” Davon will sie vor allem junge Menschen überzeugen.

Mit dieser Aufgabe steht die neue Botschafterin nicht allein. Der Bundesligaprofi und griechische Nationalspieler Amanatidis verfügt schon über eine dreijährige Erfahrung in diesem Ehrenamt. Sein Engagement sei ihm in dieser Zeit zur Herzensangelegenheit geworden: “Ich habe mich in der Hoffnung, eine Vielzahl von Menschen zu erreichen, dazu entschlossen, als Botschafter des Landespräventionsrates an die Öffentlichkeit zu gehen.”

Wegen seiner langen Verletzungspause fehlte Amanatidis nicht nur auf dem Rasen, sondern auch bei der Arbeit für den Präventionsrat. Das aber soll sich jetzt ändern, versicherte er. Er freue sich jedenfalls darauf, gemeinsam mit Asli Bayram die Aufgabe fortzuführen. Freuen kann sich auch der Justizminister. Für Hahn steht fest: “Für diese Aufgabe brauchen wir neben den Experten auch Persönlichkeiten, die als Vorbilder dienen.”

Asli Bayram