Botschafterin gegen Rassismus : Frankfurter Rundschau

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Asli Bayram, deutsch-türkische Schauspielerin und Autorin des Buches “Grenzgängerin”, fasziniert. Die 29-Jährige wird Botschafterin des Landespräventionsrates in Hessen.

Natürlich wollen alle immer nur über den Mord sprechen. Aber sie nicht. Keine Schlagzeilen auf Kosten ihrer Gefühle und des geliebten Menschen, den sie verloren hat. “Keine Sensationsmache”, sagt Asli Bayram.

Darmstadt, 1994. Ein Rechtsradikaler erschießt ihren Vater. Auch sie selbst wird am Arm von dem Neonazi verletzt, einem Nachbarn aus dem Haus. Die Tochter muss mit ansehen, wie ihr Vater, der erfolgreiche Unternehmer Ali Bayram, stirbt. Die Mutter zieht nach dem Mord mit Asli, deren drei älteren Schwestern und dem jüngeren Bruder nach Frankurt am Main.

Asli Bayram, 29 Jahre alt, deutsch-türkische Schauspielerin und Autorin des Buches “Grenzgängerin”, fasziniert. Bildschön ist sie, offen, verletzlich und gleichzeitig stark. Sie betörte vor fünf Jahren als erste türkischstämmige Miss Deutschland. Sie brillierte als Anne Frank auf der Theaterbühne. Sie überzeugte in Filmen, zum Beispiel mit Hollywood-Schauspieler Patrick Swayze. In der Türkei, in den türkischen Medien gilt sie längst als Superstar.

Am heutigen Montag nun stellt der hessische Justiz- und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FPD) Asli Bayram als neue Botschafterin des Landespräventionsrates Hessen vor. Sie tritt damit dem griechischen Fußball-Profi Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt zur Seite, der bereits in diesem Ehrenamt wirkt.

Die Künstlerin und der Sportler setzen sich gemeinsam gegen Ausländerfeindlichkeit ein, für ein besseres gesellschaftliches Miteinander. Der Präventionsrat will der Gewalt gegen ältere Menschen vorbeugen und auch der Jugendkriminalität. Fast drei Dutzend Frauen und Männer engagieren sich im Auftrag des hessischen Justizministeriums in diesem Gremium.

Die Schauspielerin blickt ernst, blüht aber im Gespräch auf, sobald es um ihre Ziele geht, um Weltoffenheit, Respekt, Toleranz. Die Deutsche türkischer Abstammung kämpft gegen Rassismus, als Mensch, als Autorin, als Darstellerin; sie lebt und arbeitet in Frankfurt, Wien, London und Los Angeles. Und ihr Zuhause? “Das ist vor allem da, wo meine Familie ist, aber auch dort, wohin meine Arbeit mich ruft.”

Ihr Anliegen verfolgt sie auch mit anderen Projekten. So hat sie beispielsweise für 2010 eine Patenschaft für die Riehlschule in Wiesbaden übernommen, an der Kinder mit Migrationshintergrund in der Mehrheit sind, und veranstaltet dort Workshops. Zur Zeit dreht sie einen Film, der sich mit den Folgen des Kriegs in Bosnien beschäftigt .

Ihr Engagement stellt Asli Bayram unter ein Motto. “Ich will Brücken bauen”, sagt die neue Botschafterin des Landespräventionsrats.

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