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Link zum Artikel im Wiesbadener Kurier:

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/stadtteile/biebrich/8283002.htm#kommentar

“Richtige Schule am richtigen Ort”

25.01.2010 – BIEBRICH

Von Joachim Atzbach

JUBILÄUM Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule seit 100 Jahren Beleg Biebricher Selbstbewusstseins

Sie ist schon etwas besonderes in ihrem Stadtteil. Und nun sie ist auch noch die jüngste unter den über hundert Jahre alten Schulen der Landeshauptstadt. Die Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule, wie sie offiziell heißt. Die Riehlschule, wie sie so einfach wie innig von den Biebrichern, den Lehrern und vor allem von ihren Schülern seit jeher genannt wird. Die Riehlschule war und ist immer noch, auch ein Spiegelbild der großen Zeitläufe.

Ihre Ursprünge liegen in einer 1847 gegründeten Realschule, die nichts anderes war, als Realität gewordener Bildungswille selbstbewussten Bürgertums in der nassauischen Resiudenzstadt. Fünf Lehrer waren damals für 80 Schüler zuständig. Mit einem Bildungsziel, das sich heute noch sehen lassen kann. Die Beherrschung von Naturwissenschaften und modernen Sprachen.

Die Realschule wurde zur Höheren Bürgerschule und dann zum Realprogymnasium. Allesamt durchaus vernünftige pädagogische Konzepte, die den Anforderungen ihrer Zeit entsprachen.

Der Biebrich-Historiker Dr. Rolf Faber hat diese Schritte auf der akademischen Feier wortgewaltig und vorzüglich skizziert. Aber immer stand dabei im Mittelpunkt, das seit Beginn besondere Verhältnis der Biebricher zu ihrer Riehlschule. Was sicher auch mit dem zur Identifizierung einladenden Schulgebäude zusammenhing, das am 5. April 1910 eingeweiht wurde. Überflüssig zu erwähnen, das anlässlich des festlichen Eröffnungsumzugs der ganze Ort auf den Beinen war. Und auch das steht für Biebricher Selbstbewusstsein: Als Namenspatron wurde kein König oder Feldherr gewählt, sondern ein Biebricher Bürger. Der Kulturhistoriker und Novellist Wilhelm Heinrich von Riehl. “Die richtige Schule am richtigen Ort”, bestätigte dann auch Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller seinem größten und traditionsreichsten Stadtteil.

Selbstbewusst sind sie bis heute geblieben. In Biebrich und an ihrer Schule. Und haben sich konsequent Asli Bayram, Hollywood-erprobte Schauspielerin und Miss Deutschland 2005, zur Jubiläumspatin gewählt. “Schule prägt ein Leben lang. Nichts ist wichtiger für eine Schule, als fürs Leben vorzubereiten”, hat Asli Bayram in ihrer Ansprache das Band zu den liberalen Gründervätern der Realschule geknüpft.

Krankheitsbedingt musste Fußballweltmeister Jürgen Grabowski der Jubiläumsfeier seiner alten Schule absagen. Aber es gibt ja auch noch andere, die inzwischen mit angemessenem Stolz auf ihre Zeit an der Mittelschule der 50er Jahre zurückblicken. Der Landtagsabgeordnete Horst Klee ist einer von ihnen. Und schlägt als Kosmopolit gleich den Bogen zwischen seiner eigenen Schulzeit in einer reinen Jungenklasse und der Gegenwart. Wo Mädchen und Jungs aus 30 Nationen, selbstverständlich Seite an Seite, unterrichtet werden. “Um andere Kulturen kennen zu lernen, mussten wir extra ins Ausland reisen.”

Friedel-Udo Schürger, der 1960 die damalige Mittelschule abschloss, sieht das genauso wie Klee. Zur Akademischen Feier hat der inzwischen in Mittelfranken lebende, ehemalige Siemens-Ingenieur, seine Schule seit langen Jahren erstmals wieder gesehen. Sein Urteil, angesichts der gewaltigen Veränderungen an der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule, die seit 2006 eine Integrierte Gesamtschule ist, war dann sicher auch im Sinn der Biebricher Gründerväter von 1847: “Beeindruckend.”