Asli Bayram mit neuer Mission : hr-online

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Sie sah als Kind, wie ein Neonazi ihren Vater erschoss, wurde Miss Germany und Schauspielerin: Nun engagiert sich Asli Bayram in Hessen auch offiziell gegen Gewalt – an der Seite von Jörg-Uwe Hahn und Ioannis Amanatidis.

Asli Bayram weiß, dass das Verbrechen nebenan wohnen kann: Als Zwölfjährige öffnete sie in Darmstadt arglos ihrem Nachbarn die Tür. Der Neonazi erschoss ihren Vater mit drei Kugeln, sie selbst wurde am Arm verletzt.

Seit Montag ist die 29-Jährige Botschafterin des Landespräventionsrats und setzt sich gegen Gewalt ein. Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) stellte sie in Wiesbaden vor. Bayram sagte, es sei wichtig für Toleranz und gegen Gewalt einzutreten. Sie freue sich, zum Beispiel in Schulen für diese Ziele zu werben. Bereits seit drei Jahren ist Bundesliga-Profi Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt ehrenamtlicher Botschafter des Gremiums. Er werde weiter dafür werben, bei gewalttätigen Auseinandersetzungen nicht wegzuschauen, sondern einzugreifen und zu helfen, sagte Amanatidis.

Asli Bayram kam 1981 als Tochter türkischer Eltern in Darmstadt zur Welt. Die Bluttat in ihrer Kindheit hat sie nicht vergessen. “Aber man lernt, damit zu leben”, sagt sie – und hat für sich erkannt: “Man muss versuchen, selber für Gerechtigkeit einzustehen. Man kann nicht nur zugucken. Das ist das Schlimmste, was es gibt: zugucken.” Das wird ihre Aufgabe als Präventions-Botschafterin sein: andere ermutigen, hinzusehen und einzugreifen.

Miss, Schauspielerin, Autorin

Dabei hilft der Deutsch-Türkin ihre Karriere und ihre Bekanntheit, auf das Thema aufmerksam zu machen: Vor fünf Jahren siegte sie bei der Wahl zur Miss Germany. Anschließend wirkte sie als Schauspielerin in einigen Filmen mit. In Frankfurt und Los Angeles stand sie außerdem in einem Ein-Personen-Stück als Anne Frank auf der Bühne. Sie wohnt heute auch in Wien, London und New York. Im vergangenen Herbst erschien ihr autobiographisches Buch “Grenzgängerin”.