Die Schauspielerin Asli Bayram spricht im AZ-Interview über ihre Zeit als Schönheitskönigin, Schubladendenken, warum sie Keine Nachtszenen dreht und jetzt mit 28 über sich geschrieben hat

Eine Biografie, die wie ein Drehbuch klingt: Asli Bayram wächst als Kind türkischer Einwanderer in Darmstadt auf. Als sie 13 ist erschießt ein Neonazi ihren Vater. Bayram bekommt einen Streifschuss ab. 2005 Wird sie „Miss Deutschland“, beginnt eine Karriere als Schauspielerin, ist unter anderem an der Seite von Patrick Swayze in „Jump!“ zu sehen. Jetzt hat Bayram ihr Buch „Grenzgängerin“ (Gütersloher Verlagshaus) veröffentlicht, in dem sie aus ihrem Leben erzählt.

AZ: Frau Bayram, Sie sind jetzt 28. Ganz schön früh für eine Biografie, oder?

ASLI BAYRAM: Naja, es geht ja nicht nur um Biografisches, Aber hauptsächlich um die Zeit seit der Wahl zur „Miss Deutschland 2005“ und meinen Weg zur Schauspielerei. Über Kindheit und Jugend schreibe ich eher wenig.

Darüber reden Sie ja auch nicht besonders gern …

Sie spielen auf die Ermordung meines Vaters an. Ja, manche Sachen waren schon bitter. So etwas kann man aber nicht in drei Sätzen erklären

War die Schönheits-Wahl nur ein Sprungbrett für Sie?

Er war ein erster Blick ins Showgeschäft, zeigte wie das funktioniert. Die Türen dorthin musste ich mir aber schon selbst öffnen.

Jetzt sind sie Schauspielerin, sehen sich eher als Charakterdarstellerin. Würden Sie auch in einer Seifenoper mitspielen?

Flache Rollen interessieren mich nicht, Ich könnte mir schon vorstellen, in einer schönen, romantischen Komödie mitzuspielen. Ich will Rollen, die mich bewegen, ich will dem Publikum etwas zurückgeben.

Das Modeln haben sie Abgehakt?

Ja, das habe ich während meines Studiums gemacht. Aber nach der Misswahl nicht mehr. Ich konzentriere mich auf die Schauspielerei. Das Modeln ist vorbei.

Wegen einer geplanten Nacktszene haben Sie mal ein Filmangebot abgelehnt.

„In New York oder Los Angeles ist die Herkunft egal“

Die meisten Nacktszenen finde ich sinnlos. Für mich ist das nicht nötig. Aber im Bikini vor die Kamera zu gehen, damit habe ich kein Problem.

Sie waren schon in Hollywood. Haben Sie es da leichter als Hier?

Dort ist der Mensch wichtiger, die Herkunft, das Aussehen interessieren nicht so sehr. In New York oder Los Angeles werde ich anders behandelt.

Und hier?

Im Alltag merkt man, dass es Leute gibt, die nicht damit klarkommen, dass hier Menschen leben, die ihre Wurzeln woanders haben.

Ein Beispiel?

Ich saß in München im Flugzeug, habe jemanden angerufen und türkisch gesprochen. Da hat mein Sitznachbar gesagt: „Nicht telefonieren, wir sind doch nicht in einem arabischen Flugzeug!“ Solche Dinge passieren in anderen Ländern nicht.

Was raten Sie jungen Mädchen, die als Schauspielerin oder Model Karriere machen wollen?

Man muss wissen, was man will. Und das versuchen. Wenn es gut geht, ist das schön. Es ist wichtig Mensch zu bleiben und sich nicht den Launen Anderer hinzugeben.

„Hier bekomme ich nur Klischee-Rollen angeboten“

Ihr Buch heißt Grenzgängerin. Gehen Sie über Grenzen?

Bei allem, was nichts Böses in sich hat, versuche ich es. Viele Menschen setzen sich selbst Grenzen. Das mache ich nicht.

Das Buch haben Sie Ihrer Familie gewidmet.

Ich erzähle darin viel von ihnen. Daheim habe ich gelernt zu lieben. Ich habe vier Geschwister. Familie ist mir sehr wichtig.

Obwohl Sie nicht mehr in Deutschland, sondern in London, Wien und Los Angeles leben?

Das klingt villeicht kitschg, aber mein Zuhause ist die Welt. Ich telefoniere täglich mit meiner Familie, und wenn ich in Deutschland bin, besuche ich sie auch.

Sie spielen kaum in deutschen Produktionen.

Hier bekomme ich nur Klischee-Rollen angeboten. Opfer, Ehrenmord, so etwas, Es ist immer dasselbe, Typische deutsches Schubladendenken glaube ich. Deutschland ist nicht international genug. Aber es entwickelt sich langsam zum Guten.

Interview: C. Landsgesell